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Geschichten aus Sârbova

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In 1935 kommt nach Sârbova, ein Banater Dorf in der Nähe von Buziaş, ein Team von Experten des Sozialen Instituts Banat- Crişana. Für einen ganzen Monat haben diese freiwillig Nachforschungen gemacht und bei den Einwohnern Informationen gesammelt, mit der Idee das Phänomen des Bevölkerungsrückgangs, an dem das  Zwischenkriegs Banat litt,  zu verstehen.

80 Jahre später an einem Samstag im Februar habe ich „Die Monografie der Gemeinde Sârbova“ in die Hand genommen (Buch das später vom selben Institut herausgegeben wurde und welches die Ergebnisse der Studie aus 1935 mit enthält) und bin zu diesem Dorf gefahren, in der Hoffnung die älteren Bewohner zu finden, die sich an dieses Monografische Team erinnern konnten. So traf ich auf die Dame Ioana Sfetescu (auch noch Chiţa genannt), die sich nicht nur perfekt an den Besuch in 1935 erinnern konnte, aber sie erscheint auch in einem der Fotos aus dem Buch „Die Monografie der Gemeinde Sârbova“.

Eine Geschichte Sârbovas

Die erste Nennung dieser Ortschaft findet man 1447 mit dem Namen Zereb1)WikipediaSârbova;, 1459 erscheint sie mit dem Namen Trokamyhalfalwa und später  in 1473 als  Trokafalwa.  Sie erscheint auch in der Wehrplicht von Marsigli (1690-1700) mit dem Namen Szerbova.2)Ioan HaţeganDicţionar istoric al aşezărilor din Banat: sec. XI – XX. Atestări documentare şi cartografice, Editura ArtPress, Editura Banatul, Timişoara, 2013;

Samu Borovsky sagte, dass die Ortschaft sicher schon im Mittelalter existiert hat, da in vielen Gärten von Privathäusern Ziegelsteine und andere alte Steine aus der Zeit gefunden wurden. In 1693 findet hier auch die Einweihung der Kirche von dem Metropoliten Belgrads (oder Bălgrads – Alba Iulia?) und dem Erzbischof von Arad, Theophilus/Teofil statt. In 1717, nach der Verjagung der Türken wird das Dorf als von Rumänen bewohnt beschrieben und hat 52 Häuser.3)Samu BorovszkyTemes vármegye története, Budapesta, 1913;

In 1935 sagten die alten Bewohner Sârbovas, dass sich Dorf auf dem selben Ort bloß seit 150 Jahre befindet. Vor dem war es angeblich als ein vereinzeltes Dorf in Kreisform aufgebaut, auf einer Terrasse des Flusses Timis, von wo sie wegen der häufigen Fluten wegziehen mussten.4)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;

In Cartea de Aur (dem goldenen Buch) das sich im Altar der Kirche in Sârbova befindet, wurde folgendes vermerkt:„In einer alten Predigt kann man einen Brief lesen, wo gesagt wurde, dass zu 1754, das Dorf zu Reihe gesetzt wurde„.  Zur Reihe bezieht sich auf die Restrukturierung der Dörfern die von den Österreichern in der 2ten Hälfte des XVIII-ten Jahrhunderts vorgenommen wurde. Es hieß das bringe die Dörfer näher an die Hauptwege, die Ausrichtung und das Einrichten nach einer bestimmten Struktur und Model, damit die Führung des Reiches die Rumänen besser in der Hand haben konnte, für jede Notwendigkeit.5)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;

Auf einer Karte von 1761 gehörte das Dorf zu dem Distrikt Ciacova.6)Samu BorovszkyTemes vármegye története, Budapesta, 1913; Dieses wurde zu erst von J.J. Ehler erinnert, der Syrbova im Kreis Timis, Distrikt Ciacova erwähnt, ohne aber Details über die Ethnien der Leute die in diesem Dorf lebten zu berichten. Die Schule aus Sârbova gibt es noch seit dem XVII Jahrhundert, und die Schule ist Pflicht seit 1868 (Das Gesetz Baron Eötvös) und hatte Tendenzen von magyarisierung. Im Jahr 1899 werden die Lehrer gezwungen, in einer Gemeinde so wie Sârbova , wöchentlich 13 Stunden in Ungarischer Sprache zu halten, und auch die Wiederholungen waren strikt in ungarischer Sprache.7)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;

Die Kanalisation und die Errichtung der Dämme des Flusses Temes nahm 1863 und 1870-1873 statt. Der Weg nach Bacova wurde 1898 fertigstellt, in der Zeit des Bürgermeisters Nicolae Ghilezan.8)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939; Heute kann man in Sârbova noch das Haus, das den Namen dieses Bürgermeisters trägt, finden. Um 1913, befand sich die Ortschaft Szirbó (Szirbóva) in dem Distrikt Buzias und hatte 164 Häuser und 908 Bewohner, die meisten Orthodoxen Glaubens. Das Dorf hatte ein Postamt, einen Telegrafen und der Bahnhof befand sich im Nachbardorf Bacova. Im selben Jahr werden in  Sârbova die Dampfmühle von Chombeè Máthiás und die Ziegelsteinfabrik von Getiá János erwähnt.9)Samu BorovszkyTemes vármegye története, Budapesta, 1913;

Die Einwohnerzahl von Sârbova ist in den letzten 100 Jahren deutlich gesunken. Wenn in der Zwischenkriegszeit 791 Leute in diesem Dorf wohnten, zeigt uns die Volkszählung aus 2002 nur 320 Einwohner.10)WikipediaSârbova; Trotz des Namens, war Sârbova immer ein Rumänisches Dorf. Der Name Sârbova hat nichts mit der serbischen Bevölkerung zu tun; denn die Gemeinde hat und hatte keine serbischen Einwohner, vielleicht nur so ein Paar Familien hier und da, die sich mit den Rumänen vermischt haben. Zwischen den Familien Namen und Taufnamen gibt es noch einige Serbische Namen – die im kleinem Ausmaß verwendet werden.11)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;

Das Jahr 1848, Zwangsarbeit, Dijma und Barboncu in Sârbova12)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;

Im Jahr 1935 wussten die Alten Einwohner aus Sârbova sehr wenig Sachen über die Revolution von 1848-1849, nur dass Patrouillen von ungarischen Revolutionären vorbeigingen, die den Einwohnern nichts taten, sondern sich nur was sie zum Essen brauchten nahmen.

Jedoch erinnerten sie sich, dass bis 1848, die „robota“ gab, was Zwangsarbeit für alle Bewohner bedeutet, mit der Hand oder Pferd und Karren. Der der kein Land hatte, musste die robota 3 Tage im Jahr leisten, der mit ¼ von einem „paore“ : 8 Tage, die mit ½ „paore“: 16 Tage im Jahr und der ein „paore“ hatte, arbeitete 18 Tage im Jahr. Die die Land hatten, mussten immer mit dem Karren fahren wenn der Befehl von dem „Herr“ kam.

Der Arbeitstag war von Sonnenaufgang bis zu Sonnenuntergang. Der der sich verspätete, der nicht gut arbeitete, oder Fehler machte, wurde vor Ort bestraft, mit physischer Bestrafung vor allen anderen. Die Anzahl an Schlägen war gleich mit dem Schweregrad des Fehlers. Außer der „robota“, bezahlte man auch die „Dijma“ (Gijma), die 10% vom ganzen Einkommen war, Getreide mit einbegriffen.

Barboncu (Varboncu, kommt von Werbung) war ein Rekrutierungssystem. Zollbeamte von Rathaus wanderten durchs Dorf, mit Alkohol Flaschen in der Hand und wer kam und aus ihren Flaschen trank wurde als rekrutiert gehalten. Dann wurde er zum Rathaus geführt und von hier – durch die Gendarmerie – zu der Einheit geschickt, wo er 30 Jahre im Heer diente.

Die Ereignisse der Untersuchungen des Sozialen Instituts Banat- Crişana über Sârbova aus dem Jahr 193513)Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;

Im Sommer des Jahres 1935 geht ein monografisches Team des Sozialen Instituts Banat- Crişana nach Sârbova, um die in Dorf Belinţ (1934) angefangen Untersuchungen weiterzuführen. Als Freiwillige wollen sie den Aspekten Bevölkerungsrückgangs nachgehen und die Gründe dieses irritierenden Phänomens zu erfahren. Ein Phänomen das nicht nur in Banat existierte, sondern entlang der ganzen Westgrenzen, ohne das die tieferen Gründe dieser sozialen Plage irgendwie bekannt waren.

Das monografische Team war aus Experten (Ingenieur, Ärzten, Anwälten, Priestern, Lehrern usw.) zusammengestellt, einige davon waren sogar wichtige Persönlichkeiten, nämlich Iosif Nemoianu, Cornel Grofşorean oder Emil Botiş. Die gesammelten Daten wurden zentralisiert und dann in komplexe Berichte zusammengefasst. Wegen unzureichenden Fonds kann das Institut das Buch „Monografia comunei Sârbova“, wo die Resultate der Studie mit drinnen waren, erst 1939 herausgeben. Es hat 392 Seiten, 20 umfangreiche Berichte und auch Photos (Illustrationen).

Wir entnahmen davon einige Informationen über das Banater Dorf  Sârbova zu 1935. Der Bericht von der Sozial-Medizinischen Abteilung zeigt, dass zu 1935 die Geburtenrate in  Sârbova viel unter dem Banater- und dem Landesdurchschnitt lag. Hingegen war die Sterberate viel größer als die Geburtenrate, was sie zur Schlussfolgerung kommen lies dass sie Leute aus  Sârbova in der Regel länger lebten als die Banater und die Rumänen allgemein; das Phänomen der alternden Bevölkerung hatte zu Grund die Langlebigkeit der Einwohner aus Sârbova.

Die Gründe für die kleine Geburtenrate war die Verwendung von Verhütungsmitteln, die Häufigkeit der Abtreibungen (10% der Frauen geben eine Abtreibung zu), die Verminderung der mütterlichen und väterlichen Gefühle, oder wegen Geschlechtskrankheiten. Die Feststellungen zur  Zerfall der Rasse : 45% der Frauen aus Sârbova haben zwischen 14 und 16 Jahre geheiratet. Dazu kommt noch die Gewohnheit Vorehelichen Verkehr zu haben und das Sexualleben im jungen Alter. Aus zahnärztlicher Hinsicht war die Hygiene unbekannt. Eine einzige Zahnbürste, dort wo es zufällig eine gab, wurde von der ganzen Familie verwendet. Zur körperlichen Hygiene, bemerkte man eine ausreichende Hygiene des Gesichts, Kopfes und der Frisur und die Fuß- und Handreinigung ist zufriedenstellend. Aber 67% der Bevölkerung badet nur „zu großen Tagen“ (Weihnachten, Ostern, Kirchweih usw.).

70% der Haushälter kaufen Kleidung, besonders die für Anlässe und nur 30% machen sich die Kleidung selber zu Hause. Es folgt ein Untergang der Hauseigeneinindustrie und der Grund: Stadt Luxus bei den Frauen. Was die Haushygiene betrifft, 93% der Häuser haben einen Fußboden aus Lehm, was unhygienisch ist. Die meisten der Bewohner schlafen zu 2 oder 3 im selben Bett (Erwachsene und Kinder). Die Fenster sind klein und zu wenig geöffnet.

Die Kulturelle Abteilung nennt den Brauch der Bewohner aus Sârbova während des Gottesdienstes, bei dem sie nur einige Minuten teilnehmen, im Hof der Kirche zu erzählen. Besonders die Jugendlichen haben diesen Brauch.(…) Die Magie ist bekannt und es wird meistens das Brechen von Flüchen und Hexerei praktiziert. Die Ehrung der Toten wird beispielhaft und beeindruckend gemacht. Der Friedhof ist gut gepflegt.(…) Die Kirche ist geräumig und in sehr gutem Zustand. In der Familie werden die Kinder fast gar nicht erzogen, die Eltern überlassen das der Schule.

Die Funde über Geschlechtskrankheiten und das Sexualleben sagen, dass die gute Lage in der Gemeinde Sârbova dem zu verdanken ist, dass sie keinen direkten und konstanten Kontakt mit der Stadt haben. Ebenfalls ist das junge Alter in dem sie ihr Sexualleben beginnen zu beachten: 70,80% (177) der Männer aus  Sârbova (250) haben ihr Sexualleben vor dem Alter von 18 begonnen. Von diese 45, also 18%, sogar bevor sie 15 waren. Der Verkehr in einem so jungen Alter wird oft von den Eltern in die Wege geleitet, die nur eine Tochter hatten und so noch einen Arbeiter in die Familie bringen wollten.

Aus sanitär-Veterinären Hinsicht, sind die Stähle in sehr gutem Zustand. Sehr oft sind sie größer und schöner als einige Häuser. Auf der anderen Seite, Veterinärmedizinische Kenntnisse, die vielfältig und oft bei den Schwaben getroffen werden, sind bei den Rumänen gar nicht vorhanden. Hierzu kommt noch das Misstrauen gegenüber dem Tierarzt, der sich gar nicht bemüht sie irgendwie aufzuklären.

Zwischen den geistigen Gründen zählte man: a) Der Untergang der Frau von ihrer Mutterrolle. Die Senkung des Mütterlichen Gefühls. Die Kontaminierung der Frauen aus  Sârbova mit dem städtischen Luxus. Unzureichende Kenntnisse über das Aufbringen von Kindern. Viele mögen keine Kinder. Deshalb verwenden sie Verhütungsmittel; b) Der Untergang der Familie. Die väterliche Autorität wird zerstört. Wenn man die ökonomischen Vorteile der Familie betrachtet, sollte die Führung dem jungen Mann zustehen und nicht hilflosen Großvätern; besonders nicht den Frauen.

Das monografische Team hat auch Gründe psychischer Art gefunden (besonders Denkweisen und Vorurteile): a) Das Phänomen der Nachahmung. In Kontakt mit der städtischen Bevölkerung und anderer Völker (Schwaben, die sich von den Ungarn beeinflussen ließen) die meist eins oder zwei Kinder haben, lässt sich der rumänische Bauer beeinflussen, der gute oder schlechte Beispiele nachmacht, und auch dieses System nachmacht. b) Der Egoismus und die Angst vor Armut des Bauern. Der Materialismus ist stark. In Banat ist der Mensch so viel Wert wie viel er besitzt. Oder wenn die Eltern am Leben sind und ein Teil ihres Eigentums den Kindern geben und dadurch Arm werden, dann werden sie schlecht angesehen.

Zu Ende der Studie in Sârbova (und der aus Belinţ, aus 1934), kommt das Institut für Sozial Banat-Crişana zu der Schlussfolgerung, dass der Bevölkerungsrückgang in Banat nicht nur spezifisch für diese Gegend ist. Viele Autoren die sich mit diesem Problem befasst haben, sind zu den selben Schlussfolgerungen gekommen und stellten fest, dass auch in anderen Regionen der Grund des Bevölkerungsrückgangs die kleine Geburtenrate und die große Sterberate bei Säuglingen ist.  Das Banat war nur das erste Gebiet wo dieses Phänomen erschienen ist und unser Volk bedrohte.

Wissen sie wie alt ich bin? 90.

Das heutige Dorf Sârbova ist nicht mehr so lebhaft wie vor 80 Jahre. Einige Häuser sind leer, andere verlassen, andere fallen auseinander, aber genau so viele sind auch die, in der noch Leute leben. Bewohner stehen zum tratschen vor dem Haus, wenn nicht im Hof der Kirche. „Ich dachte, dass sie Häuser kaufen wollen. Von diesen Alten sucht ihr nicht?„, fragten uns die Bewohner aus  Sârbova, nach dem wir ihnen unsere Geschichte und unser Vorhaben erzählten. Doch genau alte suchen wir, die sich an das Jahr 1935 erinnern könnten und an das monografische Team von Sozialen Institut Banat-Crişana.

Es leben noch zwei die das Jahr 1935 miterlebt haben: ein Nachfolger des Bürgermeisters Nicolae Ghilezan (der uns leider nicht antwortete als wir ihn zu Hause aufsuchten) und eine Frau die wir nicht identifizieren konnten und die Frau Ioana Sfetescu. Die Chiţa, weil niemand im Dorf sie je Ioana gerufen hat, mit Ausnahme von offiziellen Sachen, fanden wir zu Hause.“Was für ein Leben! Gott soll euch helfen und stärken, bis zur letzten Stunde, denn für das bete ich auch.Wisst ihr wie alt ich bin? 90.“

Wir wünschten ihr noch viele Jahre, aber ihre Antwort überraschte uns ein wenig: “Lass mal Gut sein, Kinder, ich hatte schon genug! Und ich bin eh Unglücklich. Schaut, ich bin gefallen. Hier waren meine Finger gebrochen. Und ich bin zum Arzt gegangen. Sie waren geschwollen. Drei Jahre hat es gedauert bis das geheilt ist. Und mein Alter ist vor 5 Jahren gestorben. Danach bin ich gefallen. Und ich bin nun nach Buziaş und die haben mich zum Casa Austria (aus Temeswar) geschickt. So reif war das hier, Kinder…“

„Ich war im Buzias im Spital. Niemand schaut noch auf die Alten, kein Mensch. Sie sagten es geht nicht, nur durch OP. Wenn ich wüsste, dass ich sterbe, trotzdem würde ich mich nicht operieren lassen. Nur das ich sterbe. Sie sagten zu mir, viele sagten: <<Mutter, wünsche dir nicht den Tod, das ist eine Sünde.>> Aber das ist kein Leben: herumzusitzen. Wenn meine Hand gut wäre, dann würde ich arbeiten. Mein ganzes Leben habe ich mir solche Westen gemacht, ich hab mir Schuhwerk aus Wolle gemacht. Ich habe gearbeitet, ich hatte kein Problem. Aber jetzt soll ich so den ganzen Tag sitzen? Ich kann nicht einmal Kartoffeln schälen, damit ich für mich koche.

Ich habe zwei Enkel von meinem Bruder. Kinder hatte ich keine. Ich hatte, aber als sie zur Welt kamen starben sie. Was kann man da machen? So war es mir bestimmt…“, erzählte uns Chiţa, nach dem sagte sie eine Weile nichts, mit verlorenen Augen erwiderte sie dann “ Und sag… ich kann mich nicht erinnern. Was wollte ich sagen? Aaa über die Neffen. Siehst du wie ich vergesse? Mein Bruder hatte zwei in Buzias. Als sie Ferien hatten, waren sie die ganze Zeit bei mir. So wie meine Kinder! Und ich nahm sie mit. Wenn ich nach Temeswar ging, nahm ich sie mit, weil sie mir lieb waren! Und schau ich selber hab keine! Wie sehr ich Kinder mochte! Auch die der Zigeuner mochte ich! Ich habe sie geküsst <<Was du küsst die Kinder der Zigeuner?>> Sind wir nicht alle von Gott gemacht worden?“

Und dann, gab mir Gott diesen Einfall: Ich sollte Ceauşescu eine Karte schreiben!

„20 Jahre lang war ich Postbotin, von ´68 bis´ 88. Und ich habe keine große Rente. Nun nach dem Aufstieg habe ich 4 Millionen und ein hundertzwanzig (412 lei). Kinder und was ich getan habe als ich bei der Post war. Egal zu jeden Wetter, Schnee, Regen durch alles habe ich ausgetragen! Und dann gab mir Gott diesen Einfall: Ich sollte Ceausescu eine Karte schreiben!Ich sagte es niemanden, nicht einmal meinem Mann, und ich schrieb einen Brief, so bäuerlich. Ich schrieb, dass mir unwohl ist und dass ich angst habe, das ich bis nach Hitias mit Geld hinter mir her gehe. Dann brachten sie das Geld der Kooperativen zu mir und die Bar auch zu mir. So wie ich es geschrieben habe, hat es gepasst. Gott die Zeit vergeht!“

„Einmal kam ein Auto her. Mein Mann war hier, hier bei der Straße: <<Wohnt hier Sfetescu Ioana?/ Jah./ Die Postbotin?/ Ja.>> Ich bin sogar rausgegangen da ich das Auto gesehen habe und habe mich ihnen auch vorgestellt. Sie sagten: <<Haben sie eine Reklamation geschickt. An Ceauşăscu.>> Meinem Mann verschlug es die Stimme! Ich sagte aber: << Ich habe nichts Reklamiert! Ich habe es sogar so formuliert, ich reklamiere keinen, bloß machen sie von Hitias bis dort beim Dorfeingang einen Weg!>> Es war der Direktor von den Wegen aus Timisoara und mein Vorgensetzer von der Post. Und sie sagten << Du sollst wissen er wird einen machen! In zwei Wochen hast du ein Auto bis hier.>>“

„Kann sein. Nach dem sie weg waren sagt mein Mann <<Du!>> Er fing an mich zu beschimpfen (sagte Chiţa lachend): << Was hast du denn gemacht?! Ceausescu wir dich erschießen, er wir dich töten! / Lass mal, siehst du, er tötet mich nicht, er macht einen Weg!Für den Weg habe ich das gemacht.>> Ich ging ins Dorf und traf den Schuldirektor und die Brigadiers von der Kollektivierung. Ich gelang dort und gab ihnen die Zeitung << Wisst ihr was? In zwei Wochen haben wir einen Weg von Hitias bis hier >> Aber die sagten zu mir: <<Wie? Was? Wer bist du? / Ich habe an Ceauşăscu eine Postkarte, einen Brief geschickt. Der Dirketor von den Wegen …>> Und sagte: <<Brrraaavo, Chiţo!>> Und er kommt und küsst mich. Eigentlich war er Tod neidisch! Und in zwei Wochen gab es einen Weg.“

Habt ihr dort im Buch Fotos mit Mädels gesehen. Da bin ich auch drauf.

Als wir Chiţa den Besuch der Leute von den Sozialen Institut Banat-Crişana aus 1935 erwähnten, begannen ihre Augen zu funkeln. Obwohl sie schon etwas älter ist, erinnert sie sich nicht nur an solche Sachen wie der Brief an Nicolae Ceauşeşcu, sonder besonders an Geschehnisse von vor 80 Jahren. Sie erinnert sich gern an das Team vom Institut und sie kann es kaum glauben, 10 Jahre danach sind einige Junge Leute zu ihrem Haus gekommen um ihr das Buch „Monografia comunei Sârbova“ zu zeigen.

„Und sie waren bei uns Sârbova. Und sie kamen singend. So dass , das Dorf aufstand. Und ich wundere mich immer noch, wie viele wir waren und wie wenige wir sind. Meine Alten sind alle verstorben. Ich vom Ende des Dorfes und noch eine alte Frau – wir sind geblieben. Ich war ein Mädchen dann, wie viel hätte ich haben können, 10-11 Jahre? Es war schön damals. Und es war gut. Und wir hatten alles.“

Auch wenn wir nach Sârbova mit dem Gedanken gegangen sind das wir Leute die vor 1935 geboren wurden zu finden, hätten wir uns nie erhofft jemanden zu finden der auf einem der Photos aus der Monografie erscheint. „Dort im Buch habt ihr einige Fotos mit Mädels gesehen. Ich bin eine von denen. Und mein Alter ist im Buch abgelichtet, er trägt einen Tracht“, sagte uns Chiţa. Dann fand sie sich in den Photos und erzählte, zwischen Freudentränen, etwas über  jeden Bewohner der in den Photos aus 1935 erscheint, denn sie kannte alle.

Letztendlich, haben wir uns angeboten für sie Wasser zu tragen und ihr Kartoffeln zu schälen aber sie hat uns abgelehnt, und versicherte uns, dass sie auskommt da täglich ein Nachbar kommt und ihr mit dem häuslichen Arbeiten hilft. Danach verabschiedeten wir uns und machten uns auf dem Weg, aber davor versprachen wir ihr, dass wir mit der nächsten Möglichkeit zurückkehren würden.

 Nützliche Informationen

Sârbova ist im Kreis Timiş, in einer Entfernung von 48 km von Timişoara (siehe Karte) und 14 km von Buziaş. Der Weg der Hitiaş mit Sârbova verbindet, der für den sich Chiţa in einem Brief bei Nicolae Ceauşescu beschwerte, er ist nicht asphaltiert aber es kann verwendet werden.

In dem Nationalen Dorf Museum „Dimitrie Gusti“ aus Bucureşti ist auch ein Haushalt aus  Sârbova ausgestellt. Ein Photoalbum mit diesem ist hier zu sehen.


Autor: Alexandra Palconi

Deutsch Übersetzung: Mara Cirpanu, Oana Cirpanu und Miriam Bloch

Foto: Flavius Neamciuc

Surse   [ + ]

1. WikipediaSârbova;
2. Ioan HaţeganDicţionar istoric al aşezărilor din Banat: sec. XI – XX. Atestări documentare şi cartografice, Editura ArtPress, Editura Banatul, Timişoara, 2013;
3. Samu BorovszkyTemes vármegye története, Budapesta, 1913;
4. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
5. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
6. Samu BorovszkyTemes vármegye története, Budapesta, 1913;
7. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
8. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
9. Samu BorovszkyTemes vármegye története, Budapesta, 1913;
10. WikipediaSârbova;
11. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
12. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
13. Institutul Social Banat-CrişanaMonografia comunei Sârbova, Timişoara, 1939;
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